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Über uns


Porträt von Shlomit Wehrli

Shlomit Wehrli
Genossenschafterin, Vorstandsmitglied, Persönliche Assistenz, Frauenthemen, Peer Counseling, Internetpublisher und Redaktorin



Shlomit Wehrli, Heilpädagogin, ist Rollstuhlfahrerin und Mutter zweier erwachsener Kinder. Sie ist in Israel geboren und lebt seit 1987 in der Schweiz. Sie hat schon beim Aufbau des ZSL mitgewirkt.

Was hast Du vor Deiner Zeit im ZSL gemacht?

Shlomit: Ich habe eine Ausbildung als Heilpädagogin und habe längere Zeit auf meinem Beruf gearbeitet. Als wir in die Schweiz kamen, war ich zunächst einmal Hausfrau und Mutter. Jetzt arbeite ich nebst dem ZSL, das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, als Hebräischlehrerin in der Migros Klubschule.

Du bist die Frau von Peter und ebenfalls behindert. Hast Du deshalb Arbeit im ZSL übernommen?

Shlomit: Nach zwei bis drei Jahren in der Schweiz ist meinem Mann und mir aufgefallen wie passiv die Behinderten hier sind. Wir waren schockiert, dass in einem so reichen Land wie der Schweiz solche Zustände herrschen. Dadurch, dass Peter einen sprachlichen Vorteil hat und über seinen Beruf als Psychologe mehr Erfahrung hat als ich, drängte es sich auf, dass er der Geschäftsführer des ZSL wurde. Aber das Thema beschäftigt uns und wir reden sehr viel darüber auch zuhause.

Was sind Deine Aufgabenbereiche im ZSL?

Shlomit: Mein grösstes Projekt ist die Homepage. Da ich sie sehr aktuell halten möchte, recherchiere ich jeden Tag nach Informationen, die in der Schweiz und International für Behinderte von Bedeutung sind. Diesen Service bietet das ZSL für Behinderte und Personen, die im Behindertenwesen arbeiten oder Interesse haben an diese Thematik. Ich stelle ebenfalls den Newsletter zusammen zu dem Peter dann Stellung nimmt. Ich bin noch Vorstandsmitglied, nehme an der Mediengruppe teil und stelle mich für ausserordentliche Aktivitäten wie Seminare, Demos, Kundgebungen und Tagungen zur Verfügung.

Du kümmerst Dich um die ZSL- Homepage. Woher hast Du das Wissen für diese Aufgabe?

Shlomit: Ich habe den Computer relativ spät entdeckt. Ich habe keine Ausbildung und keine Kurse besucht. "Learning by doing" war mein Motto. Mit viel Übung und der Unterstützung meines Sohnes, der Informatik studiert, habe ich mir das notwendige Wissen angeeignet.

Welche Ziele verfolgst Du mit Deinem Engagement innerhalb des ZSL?

Shlomit: Diskriminierung im täglichen Leben zu bekämpfen, scheint mein roter Faden zu sein. In anderen Ländern werden die Behinderten viel weniger diskriminiert und dies immer wieder aufzuzeigen, ist wichtig. In diesem Zusammenhang nimmt persönliche Assistenz und die Philosophie der SL- Bewegung einen wichtigen Stellenwert ein.

Kannst Du ein Beispiel persönlicher Diskriminierung nennen?

Shlomit: Als Rollstuhlfahrerin werde ich jeden Tag diskriminiert. Ich werde mit Barrieren konfrontiert, die ich aus eigener Kraft nicht überwinden kann. Das signalisiert mir: "Du bist es nicht wert, dass wir diese Barrieren abschaffen." Ein Beispiel: das renovierte Xenix Kino hat für Behinderte einen separaten Eingang im Hinterhof. Ich muss einen Mitarbeiter bitten mir die Türe aufzuschliessen, muss einen Lift nehmen und sitze dann zuhinterst, wobei ich mich kaum bewegen kann, da eine steile Treppe an meinen Rollstuhl grenzt.

Was an der SL-Bewegung hat für Dich besondere Bedeutung?

Shlomit: Dass die Behinderten das Recht haben ihr Leben selbst zu gestalten und vor allem, dass man es ihnen zutraut. Um dies umsetzen zu können brauchen sie die Macht und Mittel dazu: Ein gutes Gleichstellungsgesetz, das den Behinderten in allen Bereichen dieselben Rechte einräumt wie den Nicht-Behinderten, einen freien Zugang zu allen Dienstleistungen und die Möglichkeit uneingeschränkt an unserer Gesellschaft teilnehmen zu können.

Du setzt Dich auch für behinderte Frauen ein. Was tust Du genau?

Shlomit: Ich werde unter anderen an einer sozialpolitischen Arbeitsgruppe bei Avanti Donne teilnehmen. Avanti Donne ist eine Organisation für Frauen und Mädchen mit Behinderung. Dort möchte Ich vor allem die Anliegen von Müttern mit Behinderung vertreten. Ich stelle fest, dass in der Schweiz leider immer noch nicht selbstverständlich ist, dass behinderte Frauen Mütter werden können.

Was an der SL-Bewegung hat für Dich besondere Bedeutung?

Shlomit: Dass die Behinderten das Recht haben ihr Leben selbst zu gestalten und vor allem, dass man es ihnen zutraut. Um dies umsetzen zu können brauchen sie die Macht und Mittel dazu: Ein gutes Gleichstellungsgesetz, das den Behinderten in allen Bereichen dieselben Rechte einräumt wie den Nicht-Behinderten, einen freien Zugang zu allen Dienstleistungen und die Möglichkeit uneingeschränkt an unserer Gesellschaft teilnehmen zu können.

Interview von Ursula Speck und Marly Diallo


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