

Islam: Ich bin durch David Siems auf das ZSL aufmerksam geworden. Vor etwa einem Jahr wollte das ZSL eine Online-Petition für die UNO-Konvention lancieren und brauchte dafür eine Webseite. Da ich in dieser Zeit einen Lehrgang zum Webpublisher besuchte, fragte mich David, ob ich nicht Lust hätte diese Webseite zu erstellen.
Nach und nach lernte ich die Philosophie des ZSL’s kennen und fand meine Auffassung von Gleichberechtigung dort wieder. Dennoch hielt ich mich anfangs noch auf Distanz, da ich einerseits keine Zeit hatte wegen des Studiums und andererseits hatte ich das ZSL noch nicht ganz durchschaut.
Mit der Zeit aber erkannte ich, dass die Idee von Gleichberechtigung, welche das ZSL erklärt und fordert, auch tatsächlich gelebt wird. Also auch in der Praxis umgesetzt wird.
Vor der ZSL-Zeit absolvierte ich die kaufmännische Lehre mit einer der besten Noten im Lehrbetrieb. Ich wollte danach die Berufsmatura nachholen und Wirtschaft studieren, aber die Verantwortlichen in der Lehrfirma waren der Ansicht, dass ich nach dem Studium keine Chance im Berufsleben hätte und deshalb würde ich am besten eine IV-Rente beantragen und bei ihnen in einem geschützten Arbeitsplatz als Buchhalter arbeiten.
Die IV-Rente habe ich beantragt und bekommen, aber bei meiner ehemaligen Lehrfirma arbeite ich dennoch nicht. Stattdessen besuchte ich einen Lehrgang zum Webpublisher und kann dadurch meine Kreativität ausleben.
Islam: Meine Aufgabe im ZSL ist es einerseits die vielen Webauftritte des ZSL’s zu konzipieren und zu programmieren und andererseits mich mit technischen Fragen auseinander zu setzen und zu schauen wie die heutige und zukünftige Technologie den behinderten Menschen ein normales Leben ermöglichen kann.
Islam: Die SL-Bewegung beschreibt und fordert nicht nur eine Theorie der Gleichberechtigung, sondern sie möchte diese Theorie wirklich in die Praxis umsetzen. Das vermisse ich bei fast allen Behindertenorganisationen.
Islam: Nun, ich habe genug Benachteiligung und Diskriminierung in meinem Leben erlebt. Angefangen in der Schule als z. B. mein Lehrer meinem Vater, nach seinem drängen nach mehr Lernstoff, gesagt hat, dass ich keinen Extra-Lernstoff bekomme, da die ganze Lerngruppe einheitlich sein müsse. Einen weiteren Vorfall habe ich schon oben erwähnt.
Ich habe mit der Zeit Wege gefunden, den Leuten in den Institutionen etwas vorzugaukeln, damit sie mich in Ruhe liessen und ich trotzdem das lernen konnte, was ich brauchte.
So konnte ich dem Terror entkommen, aber auch etwas dazulernen und für meine Zwecke nutzen.
Islam: Die Gesellschaft ist in Sachen Behinderung in einem Tiefflug. Sie ruiniert nicht nur das Leben von jungen behinderten Menschen, welches schon schwer genug ist, sondern bringt diese auch dazu Dinge zu tun, die sie nie machen wollten.
Es gibt gute Leute in der Gesellschaft, diese müssen jetzt endlich aufstehen und die Sache in die eigene Hand nehmen, denn nirgends steht, dass Menschen mit Behinderung keine richtigen Menschen sind. Alle Menschen sollten möglichst die gleichen Chancen haben. Manche brauchen halt Hilfe bzw. Hilfsmittel, die eigentlich ja vorhanden wären. Was solls!
Interview von Ursula Speck