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Über uns


Porträt von Eva Schulthess

Eva Schulthess
Präsidentin, Vorstandsmitglied, Persönliche Assistenz, Peer Counseling




Fast seit der Gründung des ZSL 1995 ist Eva Schulthess mit im Team. Die Rollstuhlfahrerin erzählt im folgenden Interview wie es dazu kam und was sie im Zentrum hält.

Wie bist Du zum ZSL gekommen und was hast Du vorher gemacht?

Eva: Der erste Kontakt war durch eine Frauengruppe des ZSL wo ich eingeladen wurde. Das Fernsehen zeichnete die Diskussion im Rahmen einer Sendung mit dem Namen "Lipstick" auf. Dazu nahm ich auch an ein paar Demo - Aktionen teil. Auch war ich unglücklich in meinem bisherigen Job als Betriebsdisponentin beim Tixi Transportdienst. Meine Chefin wollte nichts hören von einem Arbeitszeitwechsel. Deshalb kündigte ich die Stelle und rief Peter an ob er mich brauchen könne. Ich glaube es war anfang 1997 als ich im ZSL zu arbeiten anfing. Zuerst besorgte mir Peter noch einen Job in einem Computer- Laden zu 30%, doch die Arbeit im ZSL fand ich viel interessanter. Der Laden machte bald Konkurs und so arbeitete ich dann voll beim ZSL.

Was ist Dein Aufgabenbereich im ZSL?

Eva: Ich bin die Innenministerin vom ZSL. Ich bin Präsidentin der Genossenschaft und mache zudem noch die Buchhaltung. Ich bin verantwortlich für die Logistik im ZSL und für einen guten Betriebsablauf im Büro.Die abwechslungsreiche Arbeit schätze ich sehr, da es nicht so ist wie in einem normalen Büro. Mit grossen Veränderungen habe ich trotzdem immer Mühe.

Was ist Dir an der SL Bewegung besonders wichtig?

Eva: Ich finde den ganzen Bereich der SL Bewegung sehr wichtig und interessant. Der Bereich der persönlichen Assistenz ist mir jedoch am wichtigsten, damit jeder so Selbstbestimmt wie möglich leben kann. Hilfe habe ich heute durch die Pflege der privaten Spitex. Der einzige Vorteil dieser im Vergleich zur öffentlichen, ist eine etwas flexiblere Arbeitszeit. Das ist jedoch noch keine persönliche Assistenz. Persönliche Assistenz ist es erst, wenn ich die Person welche mir Assistenz gibt, selbst auswählen kann und auch selbst bezahle. Ich bestimme dann selbst wann, wo und wie sie mir Assistenz gibt.

Was ist Deiner Meinung nach in der heutigen Gesellschaft nicht so, wie es sein sollte?

Eva: Es ist sehr vieles nicht so wie es sein sollte. Leute die nicht ganz so funktionieren wie es von ihnen erwartet wird, werden automatisch ausgegrenzt. Darum habe ich immer mehr mühe im Privatleben raus zu gehen und mich dem Auszusetzen. Früher machte dies weniger als heute. Wenn es mir zu bunt wird, ziehe ich einen extravaganten Hut an, damit die Menschen mich des Hutes wegen anstarren und nicht wegen der Behinderung.

Kannst Du uns etwas über Deine persönlichen Erfahrungen im Bezug auf Benachteiligung und Diskriminierung erzählen?

Eva: Ich übernachte gerne mal auswärts in sehr guten Hotels. Wenn ich mich nicht entsprechend kleide, würden sie mich gleich wieder raus werfen. Andere Menschen um mich herum, können in verwaschenen Jeans in jedes 5 Sterne Hotel gehen, ich jedoch nicht. Ich suchte mir einmal ein Hotel aus und bin hingegangen. Der Concierge erklärte mir jedoch in einer unwirschen Art, so nach dem Motto: "Was willst den Du überhaupt da", sie hätten kein Zimmer für mich. Ich rächte mich indem ich auf dem schweren Teppich in der Eingangshalle noch ein paar Runden drehte, in der Hoffnung, dass sie dann alles putzen müssen.

Kannst Du so etwas auch über Dienstleistungen sagen, welche Du regelmässig benutzt?

Eva: Die Arroganz der Ärzte kann auch grenzenlos sein. Da nur eine von zwei Untersuchungen auf MS hindeutete, fragte mich der Arzt kürzlich vor einer Augenoperation ob jetzt die MS - Diagnose in der Zwischenzeit gesichert sei. Ich erklärte ihm wütend, dass eine erneute Lumbalpunktion zu gefährlich und zu anstrengend für mich sei. Wenn er mir nicht glauben würde, könne er ja meine Neurologin anrufen.

Welche Aktion des ZSL ist Dir am Besten in Erinnerung geblieben?

Eva: Am besten in Erinnerung ist mir noch die Kocherparkdemo in Bern. Dabei ging es um die Anerkennung von Spitexleistungen für Behinderte bei den Krankenkassen. Es bestand die Gefahr, dass die Beiträge gekürzt wurden. Das war für mich das grösste Abenteuer bisher. Die Berner Bevölkerung hat uns damals sehr unterstützt, sie brachte essen, das EWB versorgten uns mit Strom in der Nacht. Es war toll.

Interview von Ursula Speck und Matyas Sagi Kiss


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