ZSL Newsletter 154

15.06.10 | ZSL | PDF-VERSION (220 KB)

Liebe Freunde des ZSL – und interessierte BeobachterInnen

gerade rechtzeitig zum geplanten Datum, zur Jahresversammlung unseres Fördervereins morgen, 15.6.2010, ist unser langjähriges Projekt fertig geworden:

neue ZSL-Homepage ist online!

Nach mehreren Jahren der ehrgeizigen Träume und gescheiterten Anläufen – wir wollten eine Homepage die es so noch nicht gibt! - sind wir total stolz Ihnen diese heute präsentieren zu dürfen! Sie finden diese unter der selben Adresse wie immer.

Noch sind sicher kleine Bugs zu verbessern. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare, Kritik und Verbesserungsvorschläge. Als nächste Phase ist die Zertifizierung ihrer Behindertenfreundlichkeit nach der Norm WCAG 2.0 AA vorgesehen.

Trotzdem meinen wir, unsere Homepage gehört jetzt schon in jeder Beziehung – Nutzerfreundlichkeit, Bedienungsfreundlichkeit, Design, technische Standards und natürlich inhaltlich - zum besten was im deutschsprachigen Behindertenbereich heute gefunden werden kann. Und dies obwohl, oder eben vielleicht gerade weil wir keine grosse Behindertenversorgungsorganisation mit aufgeblasenem Budget sind, sondern eine echte Selbsthilfeorganisation mit hoher Motivation. Möglich geworden ist diese Meilenstein dank dem unglaublichen Engagement unseres Mitarbeiters Islam Alijaj – Chef Technik im ZSL und nebenbei auch Betreiber einer eigenen Softwarefirma (lomali solutions) und zwei seiner KollegInnen, Michael Scherrer und Jasmin Schalcher, Beratung Beda Künzle (EB Zürich). Wir danken allen, natürlich auch dem ZSL-Homepage-Team das jetzt unter Leitung von Shlomit Wehrli seit Wochen schon Inhalte einfügt, ganz ganz herzlich für diese immense Leistung!

P.s. Falls Sie aus Gründen der Nostalgie oder für eine Recherche unsere alte Homepage suchen: sie ist unter dem Titel „Archiv“ in der Spalte „Schnellzugriffe“ noch für eine Weile zu finden.

Dank einfacher Eingabe-Werkzeuge können von jetzt an mehrere ZSL-MitarbeiterInnen dafür sorgen, dass wir inhaltlich noch besser, noch aktueller werden – und natürlich frech wie immer bleiben.

SL-TV, unser eigenes TV-Studio unter der Leitung von David Siems, hat seit dem letzten Newsletter schon über 20 Kurzfilme auf youtube.com ins Internet gestellt. Unter „Extras – Medien - SL-TV“ finden Sie einen Link zu diesen Satiren, Kommentaren, Interviews und Berichten.

Über die Rubrik „Aktuelles“ gelangen Sie zu Zusammenstellungen von Artikeln, Links und Kommentaren zu den grossen Themen, die uns in diesen Tagen beschäftigen. Ähnliche Zusammenstellungen für Ihre persönlichen Recherchen können Sie sich über „Themen“ zu jedem anderen Thema aus unserer grossen Auswahl erstellen.

Apropos aktuelle Themen: So debattiert vielleicht gerade jetzt, während Sie diesen Newsletter lesen der Ständerat abschliessend über die 6. IVG-Revision. In diesem Rahmen wird er über die Einführung eines Assistenzbeitrags Beschluss fassen, eines unserer Hauptanliegen seit unserer Gründung vor mehr als 13 Jahren. Noch haben wir die Hoffnung nicht begraben, dass der Ständerat einen verfassungskonformen Beschluss fassen wird: sprich niemand wegen seinem Alter oder seiner Behinderungsart zum Vorneherein von dieser so segensreichen Leistung ausgeschlossen bleibt.

Mit grossem Einsatz hat sich das ZSL in den vergangen Monaten auch gegen die im Rahmen dieser Revision geplante Einführung eines Hilfsmitteleinkaufs durch die Invalidenversicherung gewehrt und – konsequent mit unserer Forderung nach Selbstbestimmung – für die Einführung von Hilfsmittelpauschalen, die uns erlauben würden, unserer Hilfsmittel auf dem freien Markt nach eigenen Qualitätsvorstellungen selber einzukaufen. Nur diese Lösung entspricht dem Sinn und Zweck der Invalidenversicherung, wie er in Artikel 1a) – Zweck – des Gesetzes deutlich festgehalten ist. Auch hier hoffen wir noch inständig, dass der Ständerat die IV-Verwaltung zur Ordnung rufen und die Vorlage in unserem Sinne verbessern wird. In beiden Fällen bliebe uns andernfalls nur noch die Hoffnung, dass der Nationalrat in seiner Endlesung in der Herbstsession die notwendigen Korrekturen vornehmen wird.

Betroffene von FAssiS und ZSL und ihre Familien und Assistenten beobachten die Debatte im Ständerat heute 15.6.2010 zwischen 9 und 12 Uhr direkt vor Ort.

Fast untergegangen im Trubel der Nachrichten der letzten Tage ist eine seht enttäuschende Geschichte aus dem Kanton Zürich: Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) hat das seit mehreren Jahren in entwickelt neue Sonderpädagogigsche Konzept mit einem Federstrich beerdigt. Es hätte das Zürcher Schulwesen konsequent auf die Integration von Kindern mit Behinderung ausgerichtet. Noch im letzten Newsletter (153) haben wir hoffnungsvoll darüber berichtet, zumal auch Vertreter des ZSL als ExpertInnen an der Erarbeitung dieses Konzeptes einbezogen worden waren. An selber Stelle machten wir auch auf die Kampagne der GegnerInnen aufmerksam wie sie vor allem vom Tagesanzeiger konzertiert wurde. Es war wohl kaum ein Zufall, dass dieser dann auch drei Tage vor dem Entscheid von Regierungsrätin Aeppli die herzzerreissende Geschichte der gescheiterten Integration von Julian brachte – gefolgt von mehreren Artikeln, deren Grundton darauf hinaus läuft, dass die Integration von behinderten Kindern ein „Paradigmenwechsel“ sei, der noch „mindestens 20 Jahre“ gebraucht hätte (so Mirjam Aebischer vom Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik). Eine happige Aussage, wenn man bedenkt, das ebendieser Berufskreis seit ca. 30 Jahren einerseits weiss, dass nur die integrative Schulung integrierte bzw. integrierbare Erwachsene hervorbringen kann – sich andererseits aber ebenso lange mit aller Vehemenz dagegen wehrt, seine Pfründe im Reich der Sonderwelten aufzugeben. Ernstzunehmen ist hingegen die zart geäusserte Kritik von Regierungsrätin Äppli an die PolitikerInnen des Kantons, die Schlaumeier welche glaubten, anlässlich des Systemwechsels von der Segregation zur Integration grad auch noch husch 17 Millionen Franken aus dem Schulsystem abzweigen zu können. Wenn Integration erzielt und gleichzeitig auch noch das immense Sonderschulsystem aufrecht erhalten werden soll, braucht es nicht die Hälfte, sondern sicher mehr Ressourcen als bisher!

Aber was sind schon 17 Millionen? Für die im Kanton Luzern geplante Narrenposse „Paradrom“ – der Tagesanzeiger sprach zu Recht ironisch von einem „Behindertenstreichelzoo – war es dagegen offenbar kein Problem 20 (!) Millionen Franken aufzutreiben. Wenn man die Behinderten schon aussondert, will man sich doch wenigstens das Privileg vorbehalten, sie ab und zu mal zu begaffen. Oder selber mal zum grossen Gaudi „Zehntausender von BesucherInnen im Jahr“ ein paar Minuten Krüppel zu spielen. Wir erinnern uns an die „Neger“ mit schwarz bemalten Gesichtern in früheren Zirkusvorstellungen. Erschreckend die Namensliste der Schweizer Cervelatprominenz die dieser Idiotie ihren Segen gibt! Sehen Sie dazu unseren Mitschnitt des Kommentars von Giacobo/Müller im Schweizer Fernsehen.

Traurig, enttäuschend und für unseren Bundesrat und die Schweizer Politik einmal mehr beschämend ist eine weitere – temporäre – „Beerdigung“: Noch im Januar versprach der Bundesrat die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung in dieser Sommersession zu traktandieren. Stillschweigend wurde der Behandlung jetzt, wie aus Regierungsnahen Kreisen zu hören ist, auf den Sommer 2011 verschoben. Das Parlament hat halt jetzt keine Zeit für die Rechte der 500'000 Behinderten und deren Familien im Land. Es ist ganz furchtbar mit viel Wichtigerem beschäftigt: z.B. mit dem Versuch die Steuerhinterzieher aller Länder und die Bankiers die sich an diesen ihre goldenen Villen verdient haben, vor dem Gesichtsverlust zu retten. Ob und wie die in diesem Geschäft so ausserordentlich erfolgreichen Banken auch ganz vielen reichen SchweizerInnen beim Steuerhinterziehen helfen, wurde nicht einmal diskutiert. Es käme wohl bedeutend mehr Geld zum Vorschein als alles, was heute in den diversen Sozialversicherungen so dringend fehlt.

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen einen angenehmen Sommer – warm endlich soll er werden – und bleiben natürlich dran. Sie auch, wenn Sie unsere neue Homepage oft besuchen! Über die Rubrik „Extras / RSS-Feed“ können Sie mit zwei Klicks ein Lesezeichen in Ihrem Browser einrichten welches Sie täglich automatisch über die neusten Nachrichten, Blog-Beiträge, SL-TV-Filme etc. auf dem Laufenden hält.

Mit besten Grüssen von ZSL-Homepage-Team!


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