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ZSL Newsletter 156

Liebe Freunde des ZSL und interessierte Beobachter

mit grosser Freude dürfen wir heute endlich unser neustes Angebot präsentieren: das Internet-Forum für Persönliche Assistenz, kurz “PA-Forum”! Seit dem 1. Januar können Personen, deren täglicher Unterstützungsbedarf durch eine Hilflosenentschädigung der IV anerkannt ist, einen “Assistenzbeitrag” erhalten. Wer diesen wie bekommen kann und was man sonst noch alles wissen möchte, um ein Leben “in freier Wildbahn” leben zu können, soll dieses Forum möglichst umfassend erklären. Mehr noch: das Forum bietet allen Betroffenen und Interessierten die Möglichkeit, ihre Fragen, Probleme, Tipps und Lösungen auszutauschen. Helfen Sie mit, dieses Forum mit Leben zu füllen!

Ebenfalls neu auf unserer Homepage, finden Sie die Sammlung von mobilen Apps welche auf Iphone, Ipad oder Android-Geräten angeboten werden um Menschen mit Behinderung das Leben zu erleichtern. Dieser Markt entdeckt nun auch die Behinderten als potentielle Kunden und täglich kommen neue, interessante Apps dazu. Gerne können Sie uns Apps in diesem Bereich melden – und die von uns vorgestellten Apps testen und dann bewerten.

Seit mehreren Jahren versuchen wir vergeblich, GOOGLE zu überzeugen, auf ihrer Anwendung Google-Earth eine Möglichkeit einzubauen, womit Betroffene die Barrierenfreiheit von Wegen und Gebäudezugängen eintragen können. Jetzt hat ein deutscher behinderter Kollege selber im Internet eine geniale Möglichkeit geschaffen. Damit können Alle interaktiv die Rollstuhlgängigkeit von Hotels, Kinos, Restaurants und allem Erdenklichen mehr in einer genauen, weltweiten Karte angeben: wheelmap.org ! Schon sind über 200'000 Einträge zu finden und jeden Tag kommen hunderte dazu. Selbstverständlich gibt es dazu auch die passende “App”: weehlmap. Machen Sie mit – die Benutzung ist gratis und ohne Registrierung möglich!

Noch glauben sich viele Schweizer Behindertenorganisationen, dank vom BSV zugesicherter Monopolstellung in ihrer “geschützten Werkstatt”, sicher vor jeglicher Konkurrenz. Frischfröhlich werden weiter “Informationsbroschüren” aller Art GEDRUCKT, ohne die Inhalte auf den Internetseiten direkt zugänglich zu machen. Auch wenn diese für viel Geld hergestellten Broschüren dank Spendengeldern, BSV- und anderen Subventionen den Nutzer wenig kosten, sind sie doch meist veraltet bevor sie aus der Druckpresse kommen. Ein paar besonders typische Beispiele:

  • Klicken Sie sich (3 mal) auf der Homepage von Mobility International Olten zur Suche in der Infothek durch. Geben Sie in der Suchmaske als Paradebeispiel “Gastronomie” - “Rom” ein und klicken Sie “körperbehindert” an. Sie erhalten nun eine Liste mit 40 Einträgen: Fast ausschliesslich gedruckte und veraltete “Behindertenführer” die man nun bestenfalls bestellen und per Schneckenpost zusenden lassen kann: von “Aargau, Im Rollstuhl unterwegs – Behindertenführer” aus dem Jahr 2007, über “Bologna Guida accessibile” aus dem Jahr 2000 für Fr. 8.-, bis zum “Vivere Cesena - Guida alla mobilità urbana” zu unbekanntem Preis aus dem Jahr 1998. Der Link zur einzigen wahrscheinlich brauchbaren Homepage ist weitere 3 Klicks tiefer im System vergraben. Natürlich gibt Mobility keinen Link auf die Rom-Seite von Wheelmap wo Betroffene selber brandaktuelle Infos über Rom sammeln und nutzen könnten.
  • Genauso die Organisation für psychisch behinderte Menschen Pro Mente Sana - aber hier kostet das Heft “Das neue Erwachsenenschutzrecht” 12 Franken. Nachdem in Bern ca. 50 Jahre lang darüber verhandelt wurde, wird das bisherige Vormundschaftsrecht von 1912 am 1.1.2013 durch das neue “Erwachsenenschutzrecht” abgelöst. Das hat weitreichende Konsequenzen für Menschen mit einer psychischen oder einer Lernbehinderung. Lobenswerterweise bringt INSIEME dazu eine Broschüre mit dem Titel Soviel Schutz brauche ich - deren Inhalt aber wiederum leider nicht heruntergeladen, sondern nur in gedruckter Form bestellt werden kann: für 8 Fr. “um wenigstens die Druckkosten wieder hereinzuholen” wie man auf unsere Anfrage hin mitteilt.

Hier finden Sie im Übrigen das neue Gesetz zum Erwachsenschutz und hier die Botschaft des Bundesrates dazu. Hier eine Würdigung der Vor- und Nachteile der Gesetzesänderung durch INSIEME.

Auf der anderen Seite entdecken die Menschen mit Behinderung die Möglichkeiten und die Macht des Internets. Drei spannende Blogs können wir nicht genügend heiss empfehlen:

  • Im Blog Gesellschaft, Behinderung und die Invalidenversicherung kommentiert Mia mit unglaublicher Geistesgegenwart und fantastischen Internetrecherchen alles, was rund um die IV in der Schweiz so läuft.
  • Neu erschienen und sehr lesenswert ist auch der AMA-Bericht (AMA= Arbeitsmarkt-medizinische Abkärung der IV). Cam beschreibt darin auf erfrischend direkte und feinfühlige Art, wie sie die IV und deren Massnahmen erlebt.
  • Im Blog des Ex-ZSL-Mitstreiters David Siems Gedanken und Erinnerung finden sich immer mal wieder mit spitzer Feder geschriebene Kommentare und gut gemachte Film-Beiträge zum politischen Geschehen in der Schweiz.

Diese und mehr Blogs finden sie auf unserer Homepage im Bereich Blogs.

Spannend wird das neue Jahr 2012 im Hilfsmittelbereich. Nach der 6. IVG-Revision KANN (leider nicht MUSS) die IV ja nun neuerdings anstelle von Hilfsmitteln auch eine Pauschale abgeben. Versuchsweise wurde diese Neuerung jetzt bei den Hörgeräten eingeführt. Mit grosser Spannung erwarten wir nun, welche der gut subventionierten Behindertenorganisationen sich die Mühe nehmen wird, Preis- und Qualitätsvergleiche zuhanden ihrer Klienten aufzubereiten um die Chancen des Marktes zu nutzen. Im Rollstuhlsegment scheint die Wirkung jedenfalls nicht auszubleiben: heute haben wir ein Angebot für einen Rollstuhl mit allen Schickanen zum Preis von 250.- Fr. gesehen. Ob dieser qualitativ an einen brauchbaren Rollstuhl heran kommt, werden wir hoffentlich bald von den NutzerInnen erfahren. Schliesslich wollen wir in erster Linie gute Qualität im Sinne der NutzerInnen und diese, in zweiter Linie, zum guten Preis.

Heiss wird es auch im Hinblick auf die IV-Revision 6a. Noch tobt der Kampf. Ein neuer Bundesrat – Alain Berset (SP) – ist neu für das Geschäft zuständig. Es besteht also gewisse Hoffnung, dass die Anstrengungen der Behindertenorganisationen zu einer abgeschwächten Version der Revision führen könnten. Andernfalls wird ein Referendum wohl unumgänglich sein.

Etwas vespätet, aber umso herzlicher wünscht wir Ihnen ein gutes Jahr 2012!

 

Mit besten Grüssen

Das ZSL-Team


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