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Rückfall in finstere Zeiten

17.12.2010 | Tages-Anzeiger Leserforum | Andrea Weibel | Schweiz

Symbolbild: (Gerd Altmann/pixelio.de)Im Artikel ist leider nichts davon zu lesen, dass das erste Massnahmenpaket der IV-Revision 6a unter anderem vorsieht, die laufenden Renten von schätzungsweise 90 000 Menschen, welche ihre Renten aus psychischen Gründen zugesprochen erhielten, zu überprüfen.

IV-Revision SVP-Drohung dürfte Behindertenquote verhindern, TA vom 15. 12.

Wir verfügen in der Schweiz über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt mit ausgezeichnet ausgebildeten Fachkräften. Unsere Ärzte sind in der Lage, darüber zu befinden, ob und wie lange jemand aus gesundheitlichen Gründen keiner Tätigkeit nachgehen kann. Die Renten – auch jene von psychisch Kranken – werden bereits jetzt alle zwei bis drei Jahre überprüft, sodass es schlicht nicht möglich ist, irgendwie «durchzuschlüpfen» und als Gesunder jahrelang dieselbe Rente zu beziehen. Trotzdem würde mit der Annahme des obgenannten Passus die Beurteilung des Rentenanspruchs von 90 000 Personen den Gerichten überlassen. («Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, werden innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft.») Da sich die bürgerlichen Parteien querstellen, wenn es um die Bereitstellung von Arbeitsplätzen zur Eingliederung geht, ist klar, was passieren wird: Diese Menschen werden in die Sozialhilfe abgeschoben, die Politik foutiert sich um ärztliche Atteste und gibt den Schwarzen Peter an die Justiz weiter. Tausende Kranke werden die Fehler der Politik ausbügeln, und das Schlimmste: Die Meinung, dass psychisch Kranke eigentlich nur Simulanten sind, wird salonfähig. Das ist ein Rückfall in finstere Zeiten, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse und Rationalität bedeutungslos waren.

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