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Der Güsel-Protest des Herrn Ademaj

07.09.2010 | Thurgauer Zeitung | Ida Sandl

Graue grosse Fabrik vor den Toren von BürglenSeit fünf Monaten wirft ein IV-Bezüger seinen Güsel einfach vors Haus. Damit will er der Welt zeigen, wie sein Leben zerstört wurde. Die Gemeinde Bürglen hat jetzt die Nase voll, sie räumt am Montag den Garten.

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Der Güsel-Protest des Herrn Ademaj

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Kommentare

Peter Wehrli | 09.09.2010

IV-Hetze im Zeitgeist

Haben Journalisten keine Berufsethik, die von ihnen verlangt, ganz besonders genau zu recherchieren und zu schreiben, wenn die Gefahr besteht, dass sie dem Zeitgeist folgend allgemeinen Vorurteilen Vorschub leisten? Und ganz besonders, wenn ihre Schreibe den kleinen Mann trifft, nicht den grossen, der sich wehren und eine Richtigstellung erzwingen kann?
Die nachweislich falsche Behauptung, Herr Ademaj erhalte 6300 Fr. IV-Rente entspringt diesem unseligen Zeitgeist. Und verunglimpft sowohl Herrn Ademaj wie auch indirekt alle IV-Rentnerinnen. Es ist halt jetzt sexy zu in den Medien immer mal wieder mit falsch bezeichneten Summen zu "belegen", IV-RentnerInnen lebten in Saus und Braus. Die maximale IV-Rente die jemand in der Schweiz bekommen kann beträgt knapp 2500 Fr. Sind beide Ehepartner invalid erhalten sie gemeinsam maximal 3420 Fr. IV-Rente. Dies auch nur, wenn sie mindestens 75 % invalid sind und keinerlei Beitragslücken aufweisen. Die durchschnittliche Rente beträgt knapp über 1600 Fr. im Monat. Sehr viele IV-RentnerInnen sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Diese sind NICHT Teil der IV-Rente, sondern umfassen immer nur den Teil um den die nachweislich notwendigen Ausgaben die Einnahmen überschreiten.
Wenn die Ademajs wirklich auf ein Renten-Familieneinkommen von 6300 Fr. kommen, dann möglicherweise weil jemand in der Familie jahrelang gearbeitet, relativ gut verdient, brav in die berufliche Vorsorge einbezahlt und darum jetzt Anspruch auf eine Rente der Pensionskasse hat. Dass der sich "beschissen" vorkommt, wenn ihm dann eine psychische Behinderung anerkannt wird und ihm trotzdem keine Leistungen mehr ausbezahlt werden, weil er sich weigert als ehemaliger Vorarbeiter in einem "Beschäftigungsprogramm" Tubeliarbeiten zu machen, ist für mich durchaus nachvollziehbar. Seine "Güselaktion" im Protest ist kühl betrachtet doch recht kreativ, harmlos und - offensichtlich - medienwirksam. Ohne Bürglen nahe treten oder verunglimpfen zu wollen, könnte ich mir vorstellen, dass es da noch einige schlimmere visuelle und andere Schandfleckchen gibt, die sich nicht per "Ausweisung in den Kosovo" aus der Welt schaffen lassen.

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