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Tourismusbranche wirbt um behinderte Menschen

25.07.2010 | Sächsische Zeitung | Marion van der Kraats | Deutschland

Eine behinderte Frau im Rollsuhl mit begleitung...Knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland sind schwerbehindert, rund 220000 von ihnen leben in Brandenburg. Sie wollen am Alltag teilnehmen - dazu gehört die Urlaubsfahrt. Die wirtschaftliche Bedeutung erkennt die Reisebranche und wirbt gezielt um diese Gruppe.

Potsdam/Rheinsberg. Das Reiseland Brandenburg lockt mit mehr als 3000 Seen nebst Flüssen und Kanälen, dazu kommen gut 500 Schlösser und Herrenhäuser. 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das Land so schmuck, wie es einst Theodor Fontane in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschrieb. Entdecken sollen diese Schönheit auch Menschen mit Behinderung: Die Mark wirbt gezielt um diese Gruppe. Das Angebot gilt bundesweit als spitze.

Zwei von sieben deutschen Modellregionen liegen in Brandenburg - das Ruppiner Land und die Niederlausitz. „Diese Zielgruppe ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Reisebranche“, sagt Mischa Wilcke, Sprecherin der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB)GmbH.

„Wir sind eine alternde Gesellschaft mit zunehmend vielen Bewegungseinschränkungen“, erläutert Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). „Das nehmen wir sehr ernst.“ Laut einer Studie, die das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat, verbrachten Behinderte im Jahr 2002 ihren Haupturlaub zu 41,2 Prozent in Deutschland - deutlich mehr als Menschen ohne Behinderung (30,5). Bei Kurzurlauben waren es sogar bis zu 80 Prozent. Außerdem gaben 48,1 Prozent der behinderten Menschen an, sie würden häufiger reisen, wenn es mehr barrierefreie Angebote gäbe.

Potenzial für die Reisebranche

Die Zahlen illustrieren das Potenzial für die Reisebranche, zumal Brandenburg vom Tourismus zehrt. Rund 118000 Menschen arbeiten laut Wirtschaftsministerium in dem Bereich. Der Umsatz habe 2009 bei etwa 3,9 Milliarden Euro gelegen. „Er steigt langsam, aber beständig“, sagt Ministeriumssprecher Steffen Streu.

„Früher ging es beim barrierefreien Reisen wirklich um den Behinderten im Rollstuhl - heute wird der Begriff viel weiter gefasst“, erklärt TMB-Sprecherin Wilcke. Es gehe auch um Menschen, die nicht mehr so mobil sind und sich trotzdem selbstständig mit ihrem Koffer bewegen wollen. Oder um einen Allergiker, der spezielle Nahrung braucht - oder schlicht um die Mutter mit Kinderwagen.

Für diese Themen will die Tourismusakademie Brandenburg (TAB) die Branche sensibilisieren, beispielsweise mit einem speziellen Seminar für Hoteliers und Gastronomen. „Damit sie wettbewerbsfähig bleiben, erhalten sie Tipps, wie ihr Angebot angepasst und neu gestaltet werden kann“, sagt Wilcke.

Seit zwei Jahren erhebe die Akademie alle relevanten Daten von Anbietern, um zu wissen, wo Brandenburg beim Thema Barrierefreiheit steht. Von September an soll auch das Internet weiterhelfen. „Auf unserer barrierefreien Internetseite können dann auch Blinde ganz gezielt suchen und sich Angebote vorlesen lassen“, erklärt Wilcke.

Modellregion Niederlausitz

Die Modellregion Niederlausitz hat in diesem Jahr erstmals auf der Touristikmesse ITB eine Karte mit hindernisfreien Freizeitangeboten vorgestellt, eine Faltkarte ist seit Herbst 2009 auf dem Markt. Zu den prominentesten Einrichtungen gehört das „Haus Rheinsberg“. Dort werden zum Beispiel seit Jahren Wettkämpfe im Rollstuhl-Tanz, Tischtennis oder Rollstuhl-Rugby ausgetragen.Nach Angaben von Hoteldirektorin Corinna Fritz kommen etwa zehn Prozent der Gäste aus dem Ausland. Rund 80 Mitarbeiter kümmern sich um sie.

Möglich ist dies, weil das Haus von einer Stiftung getragen wird: Der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin, die Guido Graf Henkel Fürst von Donnersmarck 1916 gegründet hat. Den Ausschlag dafür gaben Erfahrungen, die der Graf mit einem 1914 finanzierten Lazarett für Kriegsverletzte in Berlin-Frohnau gemacht hatte. Seitdem setzt sich die Stiftung für die Rehabilitation von Menschen mit Behinderung und entsprechender Forschung ein. (dpa)

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