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Leserbrief zum Thema Autismus

16.04.2009 | Leserbrief | Katharina und Hans Ryser - Gerber | Schweiz

Leserbrief zum Artikel "Autisten fristen ein Schattendasein", Berner Zeitung vom 06.04.2009

Als Eltern eines autistisch behinderten Sohnes lasen wir mit Interesse und Besorgnis den Artikel „Autisten fristen ein Schattendasein“ in der Berner Zeitung. Wir merkten, wie schwierig es ist, für Autisten eine geeignete Lebens- und Wohnform zu finden. Deshalb möchten wir von unseren erfreulichen Erfahrungen berichten die wir im Zusammenhang mit dem Assistenzmodell machen konnten.

Seit ca. zwanzig Monaten lebt Adrian in seiner eigenen Wohnung in einem Weiler bei Zollikofen und wird bei seinen täglichen Verrichtungen wie Körperpflege, Haushaltführung, Einkaufen, Kochen, aber auch bei Arbeiten in einer privatwirtschaftlich geführten Gärtnerei sowie bei Umschwungsarbeiten eines grossen Hauses und anfallenden Arbeiten in einer Pfarrei stets von einer Assistentin oder einem Assistenten unterstützt. Wir staunen, welche Fortschritte Adrian in dieser Zeit machen konnte. Er ist sichtlich selbstsicherer geworden und wirkt meist aufgestellt und fröhlich. Adrian, der seine Sprache zwar entwickeln, sie aber selten als spontanes Kommunikationsinstrument anwenden konnte, teilt sich nun vermehrt verbal mit.

Die Befürchtung, Adrian würde vereinsamen, weil er nicht mehr mit ebenfalls (autistisch) Behinderten zusammenleben könne, hat sich als nichtig erwiesen, denn es ist gerade das Gegenteil eingetroffen. Die Wohngemeinschaft mit Adrian wurde von den Nachbarn herzlich aufgenommen und Adrian nimmt vermehrt am sozialen Leben teil, was ihn wiederum vermehrt aus der Isolation hervorlockt. Es kann in dieser Lebensform auf seine ureigensten Neigungen, Begabungen und Vorlieben eingegangen werden. So ist Adrian sehr musikalisch und besucht nun oft Konzerte. Auch dass er halbtagsweise in unsere Arbeitsprozesse einbezogen wird, ist von unendlich hohem Wert für seine Förderung. Kurz gesagt: Seit Adrian seine Lebensweise derjenigen, der ‚Nichtautisten’ angepasst hat, wirkt er offener und lernt, auf andere zuzugehen und diese anderen wiederum nehmen Anteil an seinem Leben und zeigen Interesse an seiner Persönlichkeit. Es entsteht ein gegenseitiges Nehmen und Geben.

Es zeigte sich, dass eine Begleitung und Beratung durch kompetente Autismus – Fachpersonen in dieser Lebensform sehr gut möglich ist. Die Assistenzleistenden können im Umgang und der Begleitung auf die autistisch behinderten Menschen und ihre Bedürfnisse eingehen und ihnen so zu der bestmöglichen Förderung verhelfen.

Wir sind überzeugt, dass sich für zahlreiche autistisch Behinderte die Lebensform im Assistenzmodell eignen würde und hoffen deshalb sehr, dass das Assistenzmodell für alle Behinderungsarten in der ganzen Schweiz bald eingeführt wird.

Katharina und Hans Ryser - Gerber, Oberburg

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