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Subjektorientierte Hilfe

16.04.2009 | Leserbrief | Katharina Kanka | Schweiz

Leserbrief von Katharina Kanka zum Artikel " Autisten fristen ein Schattendasein" vom 06.04.2009, Berner Zeitung

„Ich bin wieder zwäg, aber wer will mich?“ dies das traurige Fazit von David Benham, dem Autisten, der nicht mehr in die Heimstätte Bärau zurückkehren kann.So wie ihm ergeht es mehreren tausend Behinderten in der Schweiz, egal ob vorgängig ein Spital- oder Klinikaufenthalt notwendig war oder Angehörige jahrelang fast gratis die Pflege und Betreuung übernommen haben. Insbesondere jene, die aufgrund umfangreicherer Pflegebedürftigkeit oder sehr starken Verhaltensschwierigkeiten sowie komplexer Mehrfachbehinderung viel persönliche Hilfe benötigen, haben grosse Probleme, ein für sie geeignetes Angebot zu finden.

Der Grund hierzu liegt grossteils darin, dass nicht die betroffenen Individuen, sondern kollektive Angebote wie Heime finanziert werden. Dabei spielt deren Betriebsergebnis eine Rolle, kaum aber, wie schwer die Menschen behindert sind, welche sie betreuen. Mittlerweile haben einige Kantone, darunter auch der Kanton Bern erkannt, dass diese, insbesondere von der IV jahrzehntelang praktizierte Objektfinanzierung falsche Anreize setzt. Darum setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass der persönliche Hilfebedarf behinderter Personen unabhängig vom Leistungserbringer bemessen werden muss und die Betroffenen in der Folge mit dem so ermittelten Geldbetrag selber entscheiden können sollen, wo sie die benötigte Hilfe einkaufen möchten.

Einen entscheidenen Schritt dazu beigetragen hat der Pilotversuch Assistenzbudget der IV, an dem auch Autisten mit teils sehr hohem Hilfebedarf erfolgreich teilnehmen. So ist der Berner Adrian Ryser (über ihn wurde verschiedentlich berichtet) nach der Schliessung der Raphaelstiftung in eine private Wohnung gezogen wo er mit Unterstützung seiner Eltern Persönliche AssistentInnen angestellt hat. Gemäss Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) sind 38'000 Personen so schwer behindert, dass sie bei den alltäglichen Lebensverrichtungen dauernd auf Hilfe angewiesen sind. Für sie soll ein Assistenzbeitrag der IV eingeführt werden, um ein solches Arbeitgebermodell leben zu können. Gleichzeitig sind die Kantone gefordert, ihre Behindertenkonzepte so zu gestalten, dass sie nicht länger Plätze in Institutionen subventionieren, sondern Menschen wie David Benham einkommensunabhängig die Geldmittel zur Verfügung stellen, damit er selber wählen kann, wo er leben möchte und für die benötigte Hilfe einen fairen Preis bezahlen kann. (Siehe auch www.fassis.net)

FAssiS Fachstelle Assistenz Schweiz

Kappelenring 8

3032 Hinterkappelen

Katharina Kanka, Präsidentin

Leserbrief zu Artikel:

Autisten fristen ein Schattendasein

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