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Vernissage: Gegen alle Hindernisse

01.07.2010 | Berner Zeitung | Monika Hartig | Schweiz

Die behinderte Unterseerin Vreni Weber hat ihren grossen Traum verwirklicht: ein Buch über ihr Leben zu schreiben.

Jörg Ringgenberg (l.) und Ruedi Simmler (r.) halfen Vreni Weber

Ihre Freunde Jörg Ringgenberg (l.) und Ruedi Simmler (r.) halfen Vreni Weber, ihren Traum vom selbst geschriebenen Buch zu verwirklichen. Bild: Monika Hartig

Rund 80 Freunde, Verwandte und Bekannte versammelten sich am Samstagnachmittag im Unterseer Kirchenzentrum Futura, um den besonderen Tag der Vernissage mit Vreni Weber zu feiern. Die schwer behinderte 62-Jährige hatte sich von vielen Schwierigkeiten nie entmutigen lassen. Nach zweijähriger Arbeit konnte sie nun ihr über 300 Seiten starkes, autobiografisches Buch «Den Himmel im Herzen» präsentieren.

Lebendig und bildhaft geschrieben, schildert es einen Lebensweg voller Mühsal. Dank ihrem tiefen Glauben habe sie auch schwerste Schicksalsschläge überwunden und empfinde heute ihr Leben als grosse Gnade, erklärte die Autorin.

Sie wurde gesund geboren, doch nach einer Impfung gegen Kinderlähmung im ersten Schuljahr bekam sie Lähmungserscheinungen an den Händen, die sich später ausbreiteten. Die Diagnose war zerebrale Lähmung, wahrscheinlich ausgelöst durch eine Hirnhautentzündung. Die Lähmung wirkt sich auch auf ihr Sprachvermögen und ihre Haltung aus. Weil sie eben nicht so redegewandt ist, gehen viele davon aus, Vreni Weber sei geistig behindert. Doch dem ist mitnichten so: Sie hat die Handelsschule erfolgreich abgeschlossen und das Buch beweist, dass sie sich schriftlich gewandt ausdrücken kann.

«Eine einmalige Leistung»

Jörg Ringgenberg vom Interlakner Verlag riki GmbH, in dem das Buch erschienen ist, begrüsste die Anwesenden der Vernissage mit den Worten: «Es ist wirklich einmalig, was Vreni Weber geleistet hat trotz ihrer schweren Körperbehinderung. Freuen wir uns mit ihr über ihr gelungenes Werk!»

Ruedi Simmler würdigte das Schaffen von Vreni Weber und erzählte, wie er sie als ihr Betreuer im Sozialdienst vor 15 Jahren kennen lernte und heute mit ihr befreundet sei. Sie habe ihn gebeten, an der Vernissage ein paar Worte zu sprechen, da sie dies selbst nicht könne, sagte Simmler. Und: «Auch wenn Vreni wegen ihrer Behinderung viel Negatives erlebt hat und oft nicht ernst genommen wurde, ist kein trauriges, düsteres Buch entstanden. Es liest sich spannend und leicht.»

Erlebnisse als Behinderte

Jörg Ringgenberg lobte die lebendige Sprache von Vreni Weber und las einige Kostproben aus dem Buch vor. Dabei ging es etwa um ihre Kindheit in Thun, um schmerzhafte Diskriminierung als Behinderte auf der Strasse oder um einen demütigenden Besuch beim Augenarzt. Allen Schwierigkeiten zum Trotz schimmert Vreni Webers spitzbübischer Humor auch in ihrer Autobiografie hie und da durch und entlockt dem Leser ein Lächeln. Ihre zahlreichen Freunde und Bekannten reagierten begeistert und gratulierten der freudestrahlenden Autorin mit reichlich Umarmungen, Glückwünschen und Küssen. «Du bisch es Luusmeitschi, Vreni», sagte einer ihrer Freunde und drückte die zierliche Frau fest.

Nur noch kleine Träume

«Es ist ein tiefes, gutes Gefühl, dass ich dieses Buch geschrieben habe, das habe ich mir schon immer gewünscht», verriet Vreni Weber. «Weitere Träume habe ich eigentlich nicht – höchstens noch kleine», so die zufriedene Autorin mit einem Lächeln. (Berner Oberländer)

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