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Meinungen - Detail-Ansicht

Hörgeräte: Jetzt schreien die Zünfte nach ihren Pfründen

10.06.2011 | ZSL | Peter Wehrli ZSL | Schweiz

Ein HörgerätNoch vor wenigen Monaten kämpfte die Hörgeräatebranche Seite an Seite mit dem ZSL gegen massive staatliche Eingriffe in den Hilfsmittelmarkt und für einen freien Markt.
Jetzt, wo das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV versuchsweise Hilfsmittelpauschalen einführt und die Nutzer von Hörgeräten als erwachsene Kunden anspricht, die selber wählen können und dürfen bei wem sie sich beraten und wo sie ihre Hilfsmittel einkaufen wollen, dreht der Wind. Mindestens vom Verband der Akustiker "Akustika" wird mit allen Rohren gegen die neue Regelung gefeuert. Wer genau liest, merkt, dass es hier um den Erhalt der alten Pfründe dieser Branche und keineswegs um die Interessen der Hilfsmittel-NutzerInnen geht.

Das "Bekenntnis zum Markt" von Hören Schweiz, der Kommunikationsplattform der Hörgerätebranche, ist noch fast druckfrisch. Gemeinsam mit dem ZSL und über 2400 Petitionären auf unserer Homepage, hat sich Hören Schweiz damals gegen massive staatliche Eingriffe in den Hörgerätemarkt und für einen echten, freien Markt stark gemacht. Auf ihrer Homepage publizierte der Verband folgende Versprechen:

Freier Wettbewerb: Die Anbieter von Leistungen der Hörgerätebranche – seien es Hersteller von Hörsystemen oder Akustiker – stehen in freiem Wettbewerb miteinander um bestmögliche Qualität zum besten Preis. Wir lehnen Monopole, Kartelle, Preisbindungen und -absprachen ab und setzen uns aktiv für die Wahlfreiheit der Kundinnen und Kunden ein.

Vergleich von Qualität, Gerät und Preisen: Unsere Patienten sind mündige Kunden. Wir helfen ihnen, das richtige Hörsystem für ihre Hörprobleme zu finden. Unsere Kunden sollen Leistungen, Service, Gerate und Preise vergleichen können. Wir stellen bei konkreten Anfragen rasch und kompetent Kostenvoranschläge aus.

"AKUSTIKA" der Schweizer Fachverband der Hörgeräteakustik, einer der 3 Träger von "Hören Schweiz" hat offenbar diese Leitlinien längst wieder vergessen.

Während nämlich die IV den Betroffenen durchaus ermöglicht, sich von in der Schweiz anerkannten AkustikerInnen beraten zu lassen, schreibt es ihnen dies nun nicht länger vor! Die Beroffenen dürfen jetzt auch im Ausland einkaufen! Damit zerbricht ein Quasi-Kartell welches der Schweizer Hörgerätebranche in den letzten Jahren ohne internationalen Konkurrenzdruck satte Margen zufliessen liess.

Wie beiligende Schreiben, die heute breit gestreut wurden, aufzeigen, schiesst AKUSTIKA jetzt mit allen Rohren gegen diese neue Regelung. Nur Vordergründig geht es um die "armen hilflosen" Hörgeschädigten. Das stetig wiederholte Hauptargument beschwört ein Schreckenszenario von unmündigen Kunden, die ohne die einzige wahre, "selbstlose" Hilfe der Schweizer Akustiker bald in der fuchtbaren Gosse landen und wegen schlecht angepassten Geräten furchtbar leiden werden.

Wir meinen:

wenn Akustiker einen echten Mehrwert liefern (was zweiffellos viele von ihnen tun) dann wird sich ihre Diensteistung auf einem freien Markt auch verkaufen lassen - gute Akustiker benötigen keinen staatlichen Heimatschutz auf Kosten der Wahlfreiheit ihrer Klienten.

Viele der anderen Kritikpunkte an den BSV-Regelungen sind nicht aus der Luft gegriffen und lohnen sich, genau angeschaut zu werden. Auch die BSV-Regeln sind nicht in Stein gemeisselt und können, wenn sich der Bedarf zeigt, geändert werden.

Es ist auch Legitim,

dass die Akustikerzunft für ihre Interessen kämpft. Das ist auch der Zweck von AKUSTIKA (siehe deren ehrliches Leitbild auf der Homepage: "Wir orientieren uns an den Ansprüchen, der Zufriedenheit und der Loyalität der Mitglieder und messen uns daran.").

Nicht legitim ist nach unserem Dafürhalten jedoch, wenn sich der Verband zur Erreichung "der Zufriedenheit der Verbandsmitlieder" hinter dem Schoss der Betroffenen versteckt und so tut, als seien die Interessen der Dienstleister auch jene ihrer Kundschaft.

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Kommentare

Selbstbestimmtes Leben Schaffhausen | 10.06.2011

Die Pfründe der Hörgeräte-Zunft
Nicht legitim ist nach Dafürhalten des ZSL jedoch, wenn sich der Verband zur Erreichung "der Zufriedenheit der Verbandsmitlieder" hinter dem Schoss der Betroffenen versteckt und so tut, als seien die Interessen der Dienstleister auch jene ihrer Kundschaft.
(Quelle ZSL)

Dem gibt's meiner Ansicht nach nichts hinzuzufügen, ausser:
Prima kommentiert von Peter Wehrli, Geschäftsführer ZSL, danke!

Für die SL-Gruppe GSL SH (im Aufbau), Selbstbestimmtes Leben Schaffhausen,
Bernhard Pfaff

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