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Kommentar zu "Hilferuf - mein Kind stirbt" vom 4.5.2011

04.05.2011 | ZSL | Denise von Graffenried | Schweiz

Die 8-jährige schwerbehinderte Lea Mäder...Ein verzweifelter Aufruf einer finanziell schwachen Mutter in unserer reichen Schweiz, die kein Erbarmen für Menschen kennt, die nicht in die Gesetzesparagraphen passen...

Darf eine Mutter ihr Kind zuhause pflegen? In der reichen Schweiz, die viel Geld für Kinder in Heimen aufwendet, ist diese Frage rasch beantwortet: „Nein.“ Das Geld für die Pflege zuhause fehlt; die Mutter – als Pflegefachfrau bestens für diese Arbeit ausgewiesen – wird von Botengängen zu Ämtern zermürbt. Sie leistet die Höchstleistung, die ihr Körper gerade noch hergibt. Ein Zusammenbruch ist bedrohlich nah.

Die Pflege durch Angehörige wird in der Schweiz als Gratisarbeit behandelt, als selbstverständliche Frauenarbeit entgegengenommen und nicht entlöhnt.

Wir Behinderten hatten gefordert, das mit der IV-Revision 6a zu ändern. Gleichstellung gemäss BehiG für ein behindertes Kind: Auch es soll wie alle Kinder im Kreis seiner Familie aufwachsen können. Leider ist dieses Anliegen von Bundesverwaltung und Parlament abgeschmettert worden:

Der Bundesrat soll zwar für Unmündige Ausnahmefälle bewilligen können, will diese Möglichkeit aber nach internen Aussagen „höchst restriktiv“ handhaben.

Es wurde über Assistenz für einen Lehrling am Arbeitsplatz nachgedacht, der auf dem Weg ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Pech für die kleine Lea: Ihre normalen(sic!), kindlichen Bedürfnisse werden ihr in unserem Staat nicht zugestanden: Sie muss weg aus dem Elternhaus.

Besonders tragisch ist, dass Lea nur noch eine kurze Lebenszeit hat. Die wenige Zeit, die ihr vergönnt ist, darf sie nicht bestmöglich verbringen, sondern nach Amtsschimmel und kinderfeindlichen Paragraphen. Lea hat keine Möglichkeit, die ihr - so verordnete - Kindheit irgendwie zu überstehen, um ihr Leben als Erwachsene später selbst an die Hand zu nehmen und selbstbestimmt zu gestalten, wie es viele behinderte Menschen tun.

Deshalb diese letzte Möglichkeit, die der Mutter bleibt: Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit, versucht sie Geld zu bekommen, damit sie persönliche Assistenz für Lea finanzieren und die Medikamente weiterhin bezahlen kann, damit sie sich nicht noch mehr verschulden muss.

Ein verzweifelter Aufruf einer finanziell schwachen Mutter in unserer reichen Schweiz, die kein Erbarmen für Menschen kennt, die nicht in die Gesetzesparagraphen passen wollen.

Wir Menschen mit Behinderung fordern das Selbstbestimmte Leben für alle und die Gleichstellung von behinderten und nicht behinderten Kindern.

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